Archiv des AFV

20 Jahre ist unsere Webseite nun mittlerweile alt, eine lange und bewegte Zeit! Allerdings noch jung im Vergleich zur Arnsdorfer Geschichte unseres Vereins. In den nächsten Wochen werde ich Schritt für Schritt alles Material noch einmal im Archiv wiederbeleben. Viel Freude beim Stöbern in der Vergangenheit!

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Vereinsgeschichte

Freiübungen auf dem Hof

Entwicklung des Fußballs in der Gemeinde Arnsdorf (Teil 1)

Von Werner Hackeschmidt

Als am 25. Juli 1890 etwa vierzig junge Männer auf Anregung des damaligen Hilfslehrers Kühn den Turnverein Arnsdorf gründeten, dachte noch niemand an Fußballwettkämpfe. Im Vordergrund stand das Geräteturnen und Freiübungen. Im Winterhalbjahr übte man im Saale des Oberen Gasthofes und im Sommerhalbjahr im Hofe des Gasthofes "Zur guten Hoffnung". Dazu stellte 1891 der Wirt der "Hoffnung", Louis Müller, den erweiterten Hof als Turnplatz zur Verfügung. Ballspiele waren auf dem Hof natürlich nur im geringen Umfang möglich. Aber auch in Arnsdorf wollte man Fußball spielen. Die erste Nachricht von einem organisierten Fußballspiel stammt aus dem Jahre 1911, da spielte eine Arnsdorfer Mannschaft in Radeberg gegen die Jugendmannschaft des dortigen Jugendklubs. Das Spiel wurde beim Stand von 2:1 für Arnsdorf in der Halbzeit aus "Zeitgründen" abgebrochen. Wo aber spielte man damals Fußball in Arnsdorf? Wahrscheinlich auf dem Gelände der heutigen Randsiedlung. Dazu muss man wissen, dass dort, wo heute Siedlungshäuser stehen, um 1900 noch Waldgebiet war. Am Rand dieses Kiefernhochwaldes, an der heutigen Kleinwolmsdorfer Straße, standen nur die Gebäude der Firma Kirchhoff und Lehr. Herr Julius Robert Lehr, Mitinhaber der Firma, hatte hinter dem Betrieb, im Bereich der heutigen Beethovenstraße, einen kleinen Sportplatz anlegen lassen. Er war Schirmherr der Organisation "Jungdeutschland" in Arnsdorf. Diese Jugendgruppe, sie nannte sich "Jugendwehr von Arnsdorf", organisierte Geländespiele und Wettkämpfe mit Dresdener Pfadfindern. Ballspiele veranstaltete man mit dem Arnsdorfer Turnverein. 1913 ließ die Gemeinde den Platz ausbauen und Sitzgelegenheiten aufstellen. Bis zum Ersten Weltkrieg unterstützte der Turnverein die Fußballspieler. Mit Beginn des Krieges wurde der Betrieb eingestellt und auch das Turnen eingeschränkt. In den letzten Kriegsjahren und den ersten Nachkriegsjahren wurden auf dem Spielplatz Kartoffeln und Rüben angebaut. Im November 1919 kam fast das Ende für jeglichen Turn- und Spielbetrieb in Arnsdorf. Aus heute nicht mehr bekannten Gründen verweigerten plötzlich die Gastwirte die Benutzung der Säle und Höfe für den Sport. In dieser Situation wurde der Wunsch nach einer vereinseigenen Turnhalle mit Sportplatz immer stärker. Nach dem Bau der Turnhalle wird im Turn- und Sportverein Arnsdorf (TSV Arnsdorf) ein Fußballausschuss gebildet. Es gelang aber nur, zwei Faustballmannschaften ins Leben zu rufen. Für größere Mannschaftsspiele war der abgesteckte Platz offensichtlich zu weich. Erst 1925 begann man, den Platz trocken zu legen und mit Schlacke von der Arnsdorfer Glashütte aufzufüllen. Nach der Weihe des neuen Sportplatzes im Jahre 1926 wurde auf ihm Faustball und Handball gespielt. 1930 hat sich dann auch eine Fußballmannschaft der Männer beim TSV Arnsdorf zusammengefunden. Schuhe, Spielkleidung, Ball mussten die Spieler selbst stellen und dazu noch einen monatlichen Beitrag von fünfzig Pfennigen entrichten. Vergünstigungen erhielten nur Arbeitslose. Die Spielkleidung war schwarz-grün. Ursprünglich sollten die Trikots weiß sein, um mit den grünen Hosen in den Sachsenfarben aufzuspielen. Auf dem schwarzen Schlackenplatz war das aber nicht realisierbar. Inzwischen war den Arnsdorfer Fußballern ab 1931 in dem Sportverein Fischbach ein echter Konkurrent entstanden. Der Verein hatte eine Knaben-, Jugend- und Männermannschaft und spielte auf dem Sportplatz am Vogelberg im Karswald. Einige Arnsdorfer Jugendliche, unter anderem die Gebrüder Mittag und Richter, schlossen sich diesem Verein an. Soviel bekannt ist, haben beide Vereine nie gegeneinander gespielt. Es war damals üblich, dass bürgerliche Vereine und Arbeitervereine in verschiedenen Verbandsliegen spielten. Der TSV Arnsdorf gehörte zu den bürgerlichen Vereinen. Bei ihm stand Faustball und Handball im Vordergrund. Anders ist es nicht zu erklären, dass 1932 der Antrag von Werner Größler zur Gründung einer Knaben-Fußballmannschaft abgelehnt und gleichzeitig die Bildung einer Knaben-Handballmannschaft genehmigt wurde. 1933 wurde der Sportverein Fischbach aufgelöst. Die Übernahme der Spieler nach Arnsdorf war nicht einfach, da für Spieler aus Arbeitervereinen ein polizeiliches Führungszeugnis angefordert werden musste. Einer zweiten Fußballmannschaft war deshalb auch kein langes Leben beschieden. 

Keine Spieler-Disziplin

Entwicklung des Fußballs in Arnsdorf (Teil 2)

Von Werner Hackeschmidt

Nach 1933 werden mehrmals zwei Fußballmannschaften in Arnsdorf genannt, TSV Arnsdorf und SA-Sturm Arnsdorf. Letztere spielte vorwiegend bei Sportfesten auf. Insgesamt ging es aber in allen ballspielenden Sektionen des Vereins rückwärts. Deshalb hieß es auch im Vereinsbericht von 1934: "Die Spielabteilung ist in der Mitgliederzahl wie auch in der Tätigkeit sehr zurückgegangen. Das einzige Spiel, was sich noch auf der Höhe halten konnte, war das Fußballspiel. Eine Disziplinlosigkeit hat unter den Spielern Platz gegriffen, die viel Arbeit bedarf, um diesen Mangel wieder zu beheben. Es darf nicht vorkommen, dass Spiele angesetzt werden und durch Launen einiger Spieler nicht durchgeführt werden können. Dadurch verliert nicht nur der Verein die Achtung anderer Vereine, sondern auch die Strafen, die uns dadurch entstehen, sind für den Verein untragbar. Von 23 Fußballspielen wurden 11 gewonnen, 10 verloren und zwei Spiele endeten Unentschieden." Die Männermannschaft des KSV Arnsdorf spielte 1935 zum letzten Mal. Der Turnverein hatte nun nur noch eine Jugendfußballmannschaft, die von 1936 bis 1937 regelmäßig und bis 1939 gelegentlich spielte. Danach gab es im Turnverein Arnsdorf keine ballspielenden Mannschaften mehr und trotzdem wurde im Ort noch Fußball gespielt. 1935 wurde innerhalb des Eisenbahnvereines Sachsen die Ortsgruppe Arnsdorf gegründet. In ihr entstand eine Männerfußballmannschaft mit dem Namen "Reichsbahn Arnsdorf". Es war eine Art Betriebsmannschaft. Die finanziellen Mittel kamen von der Reichsbahn und gespielt wurde auf dem Sportplatz an der Turnhalle. Viele ehemalige TSV-Spieler schlossen sich dem neuen Verein an. Die Spielkleidung war ein blaues Hemd, schwarze Hose und als Emblem die sich kreuzenden Fische. Diese Mannschaft hat von 1936 bis 1939 gespielt, wahrscheinlich auch noch in den ersten Kriegsjahren. Genaue Angaben wurden nicht überliefert. In der Ortsgruppe gab es keine Jugendmannschaft. Fußballbegeisterte Arnsdorfer Jugendliche spielten deshalb bei der Reichsbahnsportgemeinschaft Radeberg. In der Regel aber nur so lange, bis sie zum Kriegsdienst eingezogen und an die Front geschickt wurden. In den letzten Kriegsjahren erlosch in Arnsdorf jeglicher Spielbetrieb. Nach dem Kriege wurden beide Vereine aufgelöst. 

Neugründung nach Kriegsende

Bereits am 3. August 1945 erfolgte im Gasthof "Zur guten Hoffnung" die Gründung einer Kultur- und Sportvereinigung in Arnsdorf. In dieser Vereinigung gab es auch eine Abteilung Rasensport. An einen geordneten Übungs- und Spielbetrieb war aber noch nicht zu denken. Turnhalle und Sportplatz waren von der Roten Armee belegt. 1946 formierte sich in der Sportgemeinschaft Arnsdorf eine Fußballmannschaft. Die Spielkleidung war schwarzes Hemd und schwarze Hose. Groß war die Not. Neben den knappen Lebensmitteln gab es weder Fußballschuhe, Spielkleidung noch Bälle zu kaufen. Die Tornetze bestanden aus löchrigem Maschendraht, der auf dem Boden mit einem Bretterrahmen abgeschlossen wurde. Die Anreise zu Auswärtsspielen war ein Problem für sich. Wer ein Fahrrad hatte, war noch gut dran. Besser wurde es erst, als Erich Adler mit seinem LKW einsprang. 1948 erhielt die Sportgemeinschaft Arnsdorf den Namen "SG Pionier Arnsdorf" und 1949 wurde daraus die "BSG Pionier Arnsdorf - Sparte Fußball". Die Spielkleidung war weißes Hemd und schwarze Hose. Weitere Mannschaften wurden aufgestellt. Die Spiele der ersten Mannschaft lockten damals sonntags nachmittags hunderte von Zuschauern an den alten Schlackenplatz neben der Turnhalle. Der Fußballsport erlebte in Arnsdorf mit dieser legendären Mannschaft seinen ersten Höhepunkt. Viele Namen wären zu nennen. Stellvertretend soll das Mannschaftsfoto von 1949 an diese Spiele erinnern. Seit dieser Zeit ist in Arnsdorf immer Fußball gespielt worden. Heute ist der Arnsdorfer Fußballverein e.V. mit rund 180 Mitgliedern der stärkste Verein des Ortes. Anschließend möchte ich bemerken, dass ich mir der Lückenhaftigkeit dieses geschichtlichen Rückblickes bewusst bin und danke deshalb für jeden ergänzenden Hinweis. 

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